Schwache Mannschaftsleistung fordert ersten Punktverlust

Am zweiten Spieltag der noch jungen Spielzeit verschlug es die zweite Herren erneut nach außerhalb – es war in Osterath zu spielen. Auf Erbitten des Gastgebers wurde bereits pünktlich zum Bundesliga-Anpfiff losgelegt, mithin um 15.30 Uhr. Das Heimteam war letztes Jahr aus der Landesliga abgestiegen und hatte einige Spieler eingebüßt, sodass es eher als Abstiegskandidat gehandelt wurde. Diese Einschätzung dürfte der Waldnieler Mannschaft zum Verhängnis geworden sein – insbesondere, da die Osterather ab der Mitte mit nominell erschreckend schwachen Spielern aufwarteten und manch einer unserer Spieler den Gegner zu unterschätzen neigte. Zum diesseitigen Bedauern sollte es gegen die sympathische Krefelder Truppe folglich nicht zum Sieg reichen:

Da Sebastian Jonas nicht mitspielte, stellten Leupold und Jöbkes das erste Doppel. Ihr Match gegen das „Opferdoppel“ der Osterather gestalteten die beiden auch ohne Probleme. Unser Doppel zwei bestehend aus Voss und Heyer gab derweil reichlich uninspiriert ab. Somit sollte wie so häufig das Aufeinandertreffen der jeweiligen Tertiärdoppel über den leichten Vorteil nach den Doppeln entscheiden. War es die Überheblichkeit zu glauben, gegen TTR-schwache Gegner einfach nicht verlieren zu können, möglicherweise strukturelle Lustlosigkeit, oder war es die Mischung? Es genügte Mesken/Simon Möller jedenfalls, um eine niveauarme Partie in vier hauchdünnen Sätzen tatsächlich zu verlieren (+9, -10, -12, -11), sodass wie schon am ersten Spieltag einem Rückstand nachgejagt werden musste.

Nachdem Christoph dem gegnerischen Spitzenspieler Tiggelkamp kaum Gegenwehr zeigte, stand es gar 1:3, während Daniel Leupold auch bereits den ersten Durchgang verloren hatte. Er kam jedoch immer besser ins Spiel, um den Gegner Eigemann mit ordentlicher Schnittabwehr schließlich mit 3:1 doch deutlich in die Schranken zu weisen. Was beim Stande von 2:3 im mittleren Paarkreuz geschah, war gelinde gesagt traurig: Kevin schenkte sein Spiel mehr oder weniger ab, während Christian an seiner diesen Tag betreffenden Unfähigkeit scheiterte (0:3 sowie 1:3). Die mentale Schwäche der beiden Jungspunde ließ die gegnerische Mannschaft folglich auf 5:2 davonziehen, was weder die Waldnieler Spieler, „die Bock hatten“, noch die, „die nicht ganz da waren“, zu motivieren vermochte. Dennoch zeigte Simon Möller gegen den Spieler Gartz im unteren Paarkreuz eine sichere Leistung, er gewann sogar im Schnitter (+7, +5, +2). Diese Punkteausbeute ist insofern besonders bemerkenswert, als dass Simon (von unserem Premiumfan Dirk angestachelt) durchaus wusste, dass er nach den ersten beiden Sätzen nur noch drei Punkte abgeben durfte, um dem Gegner durchschnittlich nur fünf Punkte gelassen zu haben (= Schneider im Schnitt). Als es schließlich im dritten Durchgang 2:2 stand, war dies kaum mehr möglich; Simon „rotzte“ den Gegner mit neun Punkten in Folge trotzdem schnittrisch weg!

Michael indes haderte mit seinen Angriffsschlägen und verlor gegen den kontrahierenden Wehmeier völlig unnötig zwei Sätze jeweils in der Verlängerung. Nachdem sich Jöbkes schließlich darauf besann, dass es ausreichend sein würde, den Ball irgendwie auf den Tisch zu „eiern“, gewann Michael schließlich im Entscheidungssatz; dies war enorm wichtig, um den Anschluss nicht zu verlieren – es stand 4:5.

Bereits in der Vorsaison war Daniel in der Landesliga – noch beim Anrather TK spielend – gegen die Osterather angetreten. Dem gegnerischen Spitzenspieler war er jedoch an der Platte selbst nicht begegnet. Nun war es allerdings soweit gegen den unangenehm spielenden Tiggelkamp anzutreten, er fand aber nicht sonderlich gut ins Match. Der Gegner griff mit der kurz benoppten Rückhand immer wieder topspinartig an, was es wesentlich erschwerte, zwingenden Unterschnitt zu entwickeln. Dieses Unterfangen gelang Daniel jedoch mit der Zeit ein wenig besser. Glücklicherweise konnte er die drei knappen Durchgänge alle für sich entscheiden, wobei im zweiten Durchgang beim Stande von 8:10 notwendig war, Satzbälle abzuwehren (+9, +10, +9). Parallel hatte „Vossi“ auch sein zweites Einzel 0:3 verloren, was den Zwischenstand von 5:6 zur Folge hatte.

Die Einzelrunden sollten sich exakt gleichen; Christian und Kevin zeigten in der Mitte anschließend erneut, dass sie zwei Gesichter haben. Zum Bedauern der Übrigen sollte es an diesem Tage das uninspirierte bzw. kampfesschwache Gesicht sein, welches in der Mitte erneut nur einen einzelnen Satz einbrachte, diesmal für Kevin. Selbst die Erkenntnis, eine noch theoretische Siegchance gänzlich abzugeben, konnte den Siegeswillen und entsprechenden konzentrierten Kampf nicht entfachen – der Stand lautete ernüchternd 5:8.

Wie schon zuvor auf Daniel konnte man gleichermaßen auf Simon und Michael bauen. Jöbkes setzte sogar eine Punktlandung auf den Schnitter (+8, +5, +2), während Simon zwar leicht fahrlässig einen Satz verschenkte, was an diesem Samstag jedoch ein Einzelfall für unseren Halbasiaten bleiben sollte. Das anschließende Schlussdoppel sollte zum Ende hin noch einige Spannung bieten – nach souveränen Leistungen zu Anfang der Begegnung war es schwer vorherzusehen, welche Paarung den Schlusspunkt setzen würde:

Die gegnerische Paarung bestand aus den Nummern eins und zwei der Gegner, welche auch nach dem Ranking mit Abstand die besten Spieler der Osterather darstellten. Michael als Unterbau an Nummer sechs gesetzt ist jedoch für seine Verhältnisse voll im Training und spielt bisweilen eine sehr gepflegte Kugel. Dies würde er im Laufe dieses Doppels noch häufig zeigen; den ersten Durchgang holten sich jedoch mit 11:7 die Gastgeber. Schon wenige Fehler unser Streiter und zwingendes Angriffsspiel des Gegners hatte Waldniel schnell in Rückstand gebracht. Der zweite Satz war spielerisch bereits hochwertig, nach 10:7 konnte hiesige Paarung den Ausgleich erst mit 11:9 nach Hause zittern. Nach Punktevorteilen auf beiden Seiten waren es anschließend wieder die Krefelder Jungs, welche das Heft in die Hand nahmen (9:11). Der vierte Satz war schließlich prächtig anzusehen, Daniel und Michael erspielten einen Vorsprung in Höhe von 10:8. Michael entschied sich in diesem Moment kurzerhand, die beiden kurz gesetzten Angaben beide in den Himmel „wegzuballern“. Dies war nicht leicht zu verarbeiten, was der Gegner mit dem nächsten Punktverlust bestrafte (10:11, Matchball). Erneut war Michael gehalten, volles Risiko zu gehen und den Ball „voll durchzuwämsen“. Dieses Mal flog der Ball geradlinig die Mittellinie entlang und touchierte freundlicherweise die hintere Plattenkante. Diese Spielbrillanz im Rücken ließen sich unsere Recken den Satz nicht mehr nehmen (13:11). Nachdem der vierte Satz also hauchdünn gewonnen wurde, nutzten Leupold/Jöbkes unter anderem zwei Todesnasse, um beim Stand von 5:0 zu wechseln. Der Gegner – nun mental beinahe gebrochen – versuchte noch einmal alles, in den Satz zurückzufinden. Dies vermochten wir jedoch überzeugend zu verhindern (11:3); die gänzliche Blamage war abgewendet.

Fazit: Das Resultat des Matches stellt ein schulbuchartiges Lehrbeispiel dar: Drei Spieler holen weder einen Punkt im Einzel noch im Doppel (auch Totalausfälle genannt) – das Spiel kann nicht mehr gewonnen werden – die drei übrigen Spieler können nur noch ein Remis erzielen, sofern zwei von ihnen ebenso miteinander Eingangs- sowie Schlussdoppel wie auch alle drei Spieler ihre jeweils beiden Einzel gewinnen – so geschah es. Dass es gegen eine solche – freilich symphatische – gegnerische Mannschaft nicht zu mehr reichte, ist jedoch sehr bedauerlich. Dass die dem ersten Anschein nach starken Mannschaften schon nach zwei Spieltagen Federn gelassen haben, hätte man sich zu Nutzen machen müssen! Positiv fällt allenfalls ins Gewicht, dass sich die Mannschaft nach dem Spiel endlich im Klartext darauf verständigte, dass der Aufstieg jedenfalls versuchsweise ins Visier genommen werde. Während das Potential freilich besteht, setzt dies jedoch erheblich bessere Teamleistungen voraus.

Daniel Leupold